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Johannes Hartl und Campus für Christus wollen die Welt verändern: mit ZIMZUM
Aber was ist ZIMZUM?
„4 Tage Tiefgang, 5 packende Sessions, 20 Stunden Musik & Worship, 50 Workshops, Seminare & Aktivitäten.“ Mit diesem Programm wollen Dr. Johannes Hartl und die Missionsbewegung Campus für Christus versuchen, in der Augsburger Messe „die Welt zu verändern“. Eingeladen zu diesem Event mit dem Namen „ZIMZUM Festival“ sind vom 3. bis 6. Januar 2025 junge Leute zwischen 14 und 25 Jahren. Mitte Oktober hatten sich schon über 1.000 Personen angemeldet.
Die Initiatoren führen als Motivation zu diesem Treffen an, „dass Gott unglaublich viel Potenzial in unsere junge Generation gelegt hat“. Diese junge Generation soll, so heißt es weiter, „radikal Hoffnung verbreiten und Gottes Reich sichtbar machen“.
Doch wie könnte das gelingen? Wenn ein solches Anliegen geistlich Erfolg haben soll, dann ist der biblische Weg dahin eindeutig: sich vor Gott demütigen, aufrichtig Buße tun, nach der Bibel leben und um Gelingen des Vorhabens beten. Von daher stellt sich die Frage, warum Hartl und seine Mitstreiter ihr Anliegen einem völlig unbiblischen Prinzip unterordnen, das aus der jüdischen Mystik stammt: der Zimzum.
Im Pressetext des ZIMZUM Festivals schreibt Hartls Gebetshaus: „‚ZIMZUM‘ bezeichnet den Prozess, durch den Gott Platz für die Schöpfung schafft, indem er sich selbst zurücknimmt.“ Die Veranstalter des ZIMZUM Festivals folgern daraus, dass, wenn sich die jungen Christen zurücknehmen und sich einem ZIMZUM-Lifestyle hingeben, Gott die Welt verändern könne.
Hartl und seine Mitstreiter schreiben diesem ZIM-ZUM eine Wirkkraft zu, die keine Verankerung in der Bibel hat, aber im Esoterischen, in der Mystik sehr wohl.
Zimzum kommt aus dem Hebräischen und bezeichnet ein Konzept einer vorweltlichen Selbstzusammenziehung Gottes. Was ist damit gemeint? Besonders der jüdische Mystiker und Kabbalist Isaak Luria, der im späten 16. Jahrhundert in Galiläa lebte, machte sich darüber Gedanken, was wohl vor der Schöpfung war und wieso sie überhaupt zustande kommen konnte. Lurias Idee, die aus der Kabbala, also aus dem Wissen um übersinnliche Zusammenhänge, stammt: Gott habe sich in seiner Allmacht selbst zusammengezogen bzw. beschränkt, um Platz für seine Weltschöpfung zu schaffen. Abgesehen davon, dass es für diese Deutung keinen biblischen Hinweis gibt, existiert auch kein schriftlicher Beleg, in dem Luria seine Lehre fixiert hätte.
Seine esoterischen Erkenntnisse gab Luria an seine Schüler nur mündlich weiter. Erst später wurden sie von Anhängern Lurias aufgeschrieben. Viele Intellektuelle der späteren Jahrhunderte beschäftigte diese Idee von Luria. Somit machte das Thema „Zimzum“ seinen Weg durch die jüdische und christliche Religionsgeschichte.
Eines der wenigen Standardwerke in Deutsch zum ZimZum hat der Professor für Philosophie und Jüdische Studien, Christoph Schulte, geschrieben. Schon in seiner Einleitung betont er: Da es keine verlässliche Quelle zu Zimzum gibt, könne seine Studie nur Zimzum-Interpretationen beschreiben. Eine dieser Deutungen, die Schulte anführt, stammt von dem Historiker jüdischer Abstammung Heinrich Graetz. Er bezeichnete Zimzum schlicht als „irrationale frühneuzeitliche Phantastereien“ – also schlicht als Quatsch.
Professor Schulte verweist in seinem 500-Seiten-Werk immer wieder auf die enge Verbindung des Begriffes Zimzum zur Kabbala und den Kabbalisten. Das Lexikon der Esoterik führt aus, dass die Kabbala des Isaak Luria von der Gnosis beeinflusst war. Dabei handelt es sich um eine Lehre, die aus dem Kontakt zur übersinnlichen Welt Erkenntnisse generieren will. Eine „Erkenntnis“ ist die, dass der Mensch göttlich sei. Genau deshalb wird im 1. Timotheus-Brief vor der „sogenannten Erkenntnis“, also vor der Gnosis, gewarnt.
Bohrt man zum Thema „Zimzum“ noch tiefer, findet man Aussagen, dass nur die Kabbalisten die Welt erlösen könnten, die um Zimzum und um kosmologische Zusammenhänge wüssten.
Angesichts dieses Hintergrundes stellt sich die Frage, warum haben Hartl und seine Mitstreiter ihr Festival ausgerechnet ZIMZUM genannt und sich zu diesem Zimzum-Konzept völlig unkritisch bekannt? Was wird den jungen Leuten in den vielen Workshops und Seminaren im Januar vermittelt werden? Der Anspruch, das ZIMZUM Festival „könnte die Welt verändern“, deutet in Bezug auf den eigentlichen Ursprung und die Bedeutung von Zimzum eher in Richtung eines kabbalistischen Experimentes, es mal mit jüdischer Mystik zu versuchen, einen göttlichen Prozess auf Erden anzustoßen.
Aus:TOPIC-Informationsdienst. Autor: Ulrich Skambraks
Mit freundlicher Genehmigung
P.S..: Eine ausführliche Darstellung und Widerlegung der Kabbala und weiterer okkulter Systeme findet sich im HANDBUCH ESOTERIK:
https://jeremia-verlag.com/product/handbuch-esoterik/